Rezensionen

Romy Häckelmann - Bruchstücke

Ob sie nun Keramikscherben zur plastischen Form oder Fetzen von Papier zu einem Bild zusammenfügt, immer sind es Bruchstücke, die Romy Häckelmann in die neue Ordnung fügt, Bruchstücke als Sinnbilder des verlorenenen Ganzen, der Auflösung, der Zerstörung, denen sie eine neue Identität verleiht.

Keramikscherben als Relikte uralter menschlicher Kulturen, als Überbringer von Informationen, als Symbolträger von Vergänglichkeit und Wiederbelebung, faszinieren die Künstlerin seit langem. Während eines Seminars mit Gertraud Möhwald, Dozentin der Hochschule für industrielle Formgestalltung in Halle, vollzog sich die Hinwendung Romy Häckelmanns zu dieser ungewöhnlichen, eigenwilligen Technik, die Keramikscherbe als Gestaltungselement im Bereich der Skulptur einzusetzen, nachdem sie sich in den zurückliegenden Jahren durch kontinuierliches Arbeiten und Experimentieren mit dem Werkstoff Ton dessen differenziertes Gestaltungspotential erschlossen hatte.

Parallel dazu entwickelte Romy Häckelmann im bildnerischen Bereich ihre wohl einmalige Art der übermalten Collage und Mixed-media-Techik bis zu einer Perfektion, die selbst fachkundige Betrachter mehr als verblüfft. Auch hier lässt sich die symbolhafte Kraft der fragmentarisch zusammengefügten Bildinhalte, noch überhöht durch eine stimmige Palette delikater Lüsterfarben, nicht leugnen. Es sind ästhetisch ansprechende Bilder von unaufdringlicher Ausgewogenheit, Bilder, die sich mit dem Licht bewegen, die schon beim ersten Hinsehen ihre Oberflächenreize spielen lassen. Und trotzdem bleibt es nicht bei der Oberflächlichkeit gemeinhin "schöner" Bilder, denn in diese zweifellos attraktive Verpackung hat die Künstlerin nicht wenige durchaus kritische Denkanstöße hineinfließen lassen, die dazu angetan sind, den Betrachter zu mehr als nur einigen Augen-Blicken zu verleiten.

Professor Eberhard Herrmann